Ein Staat macht Geschichte
Bayern zählt zu den ältesten Staaten Europas. Es begann um 500 n.Chr. Die
Herrschaft der Römer brach unter dem Ansturm der Germanen zusammen. Nach einer
verbreiteten Theorie entstand der Stamm der Bayern aus im Land gebliebenen
Römern, keltischer Urbevölkerung und zugewanderten Germanen.
Das Stammesherzogtum
Im Voralpenraum entwickelte sich seit der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts
unter den Agilolfingern und später im 10. Jahrhundert unter den Welfen ein
mächtiges bayerisches Stammesherzogtum. 1158 gründete Herzog Heinrich der
Löwe an der Isar eine neue Siedlung - das heutige München. Bis Mitte des 13.
Jahrhunderts besaß Regensburg die Funktion einer Hauptstadt.
Die Wittelsbacher
Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen übertrug Kaiser Friedrich Barbarossa im
Jahre 1180 dem bayerischen Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach ein um die gesamte
bayerische Ostmark verkleinertes Herzogtum.
1214 erhielten die Wittelsbacher auch die Pfalz, die fortan über 700 Jahre mit
dem Geschick Bayerns verbunden blieb.
Die folgenden Jahrhunderte bayerischer Geschichte waren geprägt von dem
Bestreben der Wittelsbacher Herzöge, ihre Hausmacht auszubauen. Einen
Höhepunkt erreichte diese Entwicklung unter Ludwig dem Bayern (1302-1347), der
als deutscher König und Kaiser seinem Haus die Mark Brandenburg, Tirol, Holland
und den Hennegau erwarb. Bayern blieb jedoch ein agrarisch orientiertes Land,
trotz der Vielzahl seiner Städte und Märkte.
Neben den Bistumszentren Salzburg, Passau, Regensburg waren Klöster wie
Tegernsee, Niederalteich und St. Emmeram geistig-kulturelle Vororte. Im 14. und
im 15. Jahrhundert schwächten zahlreiche Erbteilungen das Haus Wittelsbach.
Erst Albrecht IV., der Weise (1467-1508), legte durch die Einführung der
Erstgeburtsordnung eine dauerhafte Grundlage für das unter seiner Herrschaft
wiedervereinigte Herzogtum Bayern.
In Franken und Schwaben hingegen entstanden nach dem Erlöschen der Herzogs- und
Königsgeschlechter der Salier und Staufer im 12. und 13. Jahrhundert eine
Vielzahl weltlicher und geistlicher Territorien.
Residenzen wie Bamberg, Würzburg, Ansbach oder Bayreuth, aber auch die
Reichsstädte Nürnberg, Augsburg, Schweinfurt, Rothenburg und Nördlingen
entwickelten sich zu geistigen, künstlerischen und wirtschaftlichen Zentren von
oftmals europäischer Bedeutung.
Während sich die Reformation in vielen schwäbischen und fränkischen
Territorien und Reichsstädten durchsetzte, blieb Altbayern der
römisch-katholischen Kirche treu. Unter Albrecht V. (1550-1579) und Wilhelm dem
Frommen (1579-1597) wurde das Land zu einem Zentrum der Gegenreformation. An der
von Herzog Ludwig dem Reichen 1472 gegründeten Landesuniversität in Ingolstadt
wirkte der berühmte Luther-Gegner Johannes Eck.
Die Residenzstadt München erlebte unter Albrecht V. eine erste Blüte als
Zentrum von Wissenschaft und Kunst. Der Dreißigjährige Krieg brachte Franken,
Schwaben und Bayern große Schrecken und Nöte, aber auch die Kurwürde (1623).
Maximilian I. (1507-1651), der erste bayerische Kurfürst, hat Bayern um die
Oberpfalz vergrößert.
Einer seiner Nachfolger, der "Blaue Kurfürst" Max Emmanuel (1662 bis
1726), war ein großer Förderer der barocken Einflüsse in Kunst und Kultur. Er
zeichnete sich in den Türkenkriegen aus, hatte sogar Großmachtpläne, die sich
allerdings zerschlugen, während dann Karl Albrecht 1742/45 Deutscher Kaiser
wurde. Bis zu Max III. Joseph (1745-1777), dem letzten Kurfürsten aus der
altbayerischen Linie der Wittelsbacher, erlebte das Land eine kulturelle
Blütezeit.
Neue Verfassungen schaffen Impulse
Kurfürst Max IV. Josef aus der Wittelsbacher Linie Pfalz-Zweibrücken
(1799-1825) sah sich bei seinem Amtsantritt schwierigen Aufgaben gegenüber: Vom
Reich selbst war nichts mehr zu erhoffen, Preußen stand abseits und Österreich
beanspruchte weiterhin bayerische Gebiete. So stellte der Kurfürst sein Land
unter den Schutz Napoleons.
Als Entschädigung für Gebietsabtretungen am Rhein erhielt Bayern im
Reichsdeputationshauptschluß 1803 die Hochstifte Würzburg, Bamberg, Freising
und Augsburg, Teile der Bistümer Eichstätt und Passau, zwölf Abteien und 15
Reichsstädte.
Am 1. Januar 1806 nahm Max IV. Josef als Max I. den Königstitel an und trat dem
Rheinbund bei. Sein Minister Montgelas legte die Grundlagen für eine straffe
Staatsorganisation. Die Konstitution von 1808 normierte zum ersten Mal
Gleichheit aller vor dem Gesetz, die Sicherheit der Person und des Eigentums,
die Gewissensfreiheit und die Unabhängigkeit der Richter. Die konstitutionelle
Verfassung von 1818 wird als die Grundlage demokratisch-parlamentarischen Lebens
in Bayern gesehen. Der neubegründete bayerische Landtag bestand fortan aus zwei
Kammern, der Kammer der Reichsräte sowie der Kammer der Abgeordneten. Aufgrund
des Steuerbewilligungsrechtes erlangte er bald entscheidende Mitwirkung in
Politik und Gesetzgebung.
Zwischen Reformen und Revolution
In den Freiheitskriegen ging Bayern zu den Gegnern Napoleons über. Es musste
zwar seine österreichischen Besitzungen zurückgeben, wurde aber auf dem Wiener
Kongress 1815/16 mit dem endgültigen Erwerb von Würzburg, mit Aschaffenburg
und mit der linksrheinischen Pfalz entschädigt. Dem Deutschen Zollverein trat
Bayern 1833 bei.
Während der Regierungszeit Ludwigs I. (1825-1848) wurde München zu einem
kulturellen Zentrum Deutschlands. Dichter, Maler, Architekten und
Naturwissenschaftler wurden aus ganz Deutschland in die Residenzstadt gerufen.
Daneben förderte der König tatkräftig Handel und Industrie. In seine
Regierungszeit fällt der Ausbau des Eisenbahnnetzes, der 1835 mit der
Errichtung der ersten Bahnstrecke von Nürnberg nach Fürth begann. Für das
Königtum brachte die Revolution des Jahres 1848 mit der Verwirklichung der
"Märzforderungen" (u.a. Ministerverantwortlichkeit, Pressefreiheit,
Wahlreform) erhebliche Einschränkungen, die Ludwig I. zur Abdankung zugunsten
seines Sohnes Max veranlassten. Maximilian II. (1848-1864) setzte das Werk
seines Vaters als Kunstmäzen fort, leitete daneben aber auch sozialpolitische
Reformen in die Wege und war ein großer Förderer der Wissenschaft.
Kriege, Kunst und Könige
Unter König Ludwig II. (1864-1886) nahm Bayern an den Kriegen gegen Preußen
und gegen Frankreich teil. 1866 kämpfte Bayern an der Seite Österreichs gegen
Preußen, 1870/71 an der Seite Preußens gegen Frankreich. Nach dem
deutsch-französischen Krieg trat Bayern in das neu gegründete Reich ein.
Ludwig II. - noch heute als der "Märchenkönig" in aller Welt bekannt
- zog sich aus der Politik immer mehr zurück und widmete sich dem Bau seiner
Schlösser und der berauschenden Welt von Wagners Musik. Im Starnberger See fand
er 1886 den Tod. Sein Onkel, der fähige Prinzregent Luitpold (1886-1912), und
dessen Sohn, König Ludwig III. (1912 bis 1918), waren die letzten Regenten des
Hauses Wittelsbach, das Bayern 738 Jahre lang regiert hat.
Das neue Bayern
Nach dem Ersten Weltkrieg wählte ein provisorischer Nationalrat Kurt Eisner (USPD)
zum Ministerpräsidenten; er erklärte Bayern am 8. November 1918 zum Freistaat.
Seine Ermordung löste eine Welle von Gewalttaten aus. Am 6. April 1919 wurde
die kommunistisch beherrschte "Räterepublik Baiern" ausgerufen. Sie
wurde vor allem von sogenannten Freikorps niedergeworfen. Der am 12. Januar 1919
gewählte Landtag war während der Unruhen nach Bamberg ausgewichen, wo am 12.
August 1919 die Verfassung beschlossen wurde.
Rechtsextreme Kräfte bekämpften von Anfang an die neue republikanische
Ordnung. Hitlers Putschversuch mit seinem "Marsch zur Feldherrnhalle"
am 9. November 1923 wurde zwar von der Bayerischen Polizei niedergeschlagen,
aber seine milde Verurteilung zur Festungshaft schwächte den
Nationalsozialismus nicht. Nach der Machtergreifung 1933 wurde Bayern wie die
anderen Länder "gleichgeschaltet"
und verlor seine Staatlichkeit.
Der nationalsozialistische Terror begann auch in Bayern zu herrschen. In Dachau
wurde schon 1933 das erste KZ errichtet. Politische Gegner wurden gnadenlos
verfolgt. Die seit Jahrhunderten in den bayerischen Städten und Dörfern
ansässige jüdische Bevölkerung wurde vertrieben, verschleppt und ermordet.
Auch andere Minderheiten wie Sinti und Roma waren Opfern der Tyrannei.
In dieser dunkelsten Zeit deutscher Geschichte gab es aber auch in Bayern
Zeichen des Widerstandes. Ein leuchtendes Beispiel ist der Kreis der
"Weißen Rose" um die Studenten Hans und Sophie Scholl, Christoph
Probst, Alexander Schmorell und Prof. Kurt Huber. Im Zweiten Weltkrieg waren
bayerische Städte vom Bombenkrieg besonders betroffen, wie z.B. München,
Nürnberg und Würzburg. Nach Kriegsende wurde Bayern amerikanische
Besatzungszone. Der rasche Wiederaufbau der Städte war begleitet von einer
Erneuerung der demokratischen Ordnung. Am 1. Dezember 1946 wurde die Verfassung
des Freistaates Bayern mit überwältigender Mehrheit vom bayerischen Volk
angenommen.
Zwar lehnte der Bayerische Landtag das Grundgesetz für die Bundesrepublik
Deutschland zunächst ab, weil der Föderalismus im Grundgesetz seiner Ansicht
nach nicht stark genug ausgeprägt war, gleichwohl beschloß er aber, dem
Grundgesetz beizutreten, wenn die Mehrheit der übrigen Länder es annehme. Seit
1949 ist der Freistaat Bayern ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
Daten aus der bayerischen Geschichte
6. Jh.
Formierung des bayerischen Stammes und Stammesherzogtums.
738-42
Hl. Bonifatius und Herzog Odilo richten die bayerische Kirchenorganisation ein.
Bistümer Regensburg, Passau, Freising, Salzburg, Würzburg, Eichstätt.
748-88
Herzog Tassilo III., Expansion von Bayern nach Osten und Südosten.
955
Aufgebot deutscher Stämme gegen das Ungarnheer. Schlacht auf dem Lechfeld bei
Augsburg. Zweite Landnahme Bayerns in der Ostmark.
um 1050
Gründung von Nürnberg.
1158
Heinrich der Löwe gründet München (Münzstätte und Salzniederlage).
1180
Pfalzgraf Otto von Wittelsbach erhält von Kaiser Friedrich Barbarossa das
Herzogtum Bayern. Wandel vom Stammesherzogtum zum Territorialstaat.
1214
Die Pfalz wird bayerisch.
1402
Gründung der Universität Würzburg.
1472
Herzog Ludwig der Reiche gründet die Universität Ingolstadt.
1524/25
Reformation in Nürnberg.
1623
Bayern erhält die Kurwürde.
1628
Die Oberpfalz kommt zu Bayern.
1662-1726
Kurfürst Max Emanuel ("der Blaue Kurfürst"); Förderer der barocken
Einflüsse in Kunst und Kultur.
1663-1806
Immerwährender Reichstag in Regensburg.
1705/06
Volkserhebung in Bayern gegen die Regentschaft der Habsburger.
Schlacht bei
Sendling und Aidenbach.
1743
Gründung der Universität Erlangen.
1759
Gründung der Akademie der Wissenschaften in München.
1778
Bayerischer Erbfolgekrieg: Innviertel (zwischen Donau, Inn, Salzach und Traun)
an Österreich abgetreten.
1.1.1806
Bayern wird Königreich unter Max I. Joseph; Augsburg, Nürnberg werden
bayerisch. 1810 auch Bayreuth und Regensburg. Neuordnung des Staatswesens unter
Minister Montgelas (1759-1839).
1818
Bayern erhält eine Verfassung.
1825 - 48
König Ludwig I. Unter seiner Regierung wird München eine glanzvolle Kunststadt
und eine Hochburg der Wissenschaft.
1848 - 64
König Maximilian II. Förderer von Kunst, Wissenschaft und Industrie.
Epochemachende Leistungen in der Sozialpolitik.
1864 - 86
König Ludwig II. Unter ihm nimmt Bayern an den Kriegen gegen Preußen (1866)
und gegen Frankreich (1870/71) teil.
1868
Gründung der Technischen Hochschule München.
1919
Räterepublik; neue bayerische Verfassung.
1923
Hitlerputsch in München.
1933
Machtübernahme durch Hitler; Ende der Eigenstaatlichkeit Bayerns.
8.5.1945
Kapitulation Deutschlands. Bayern wird amerikanische Besatzungszone.
1.12.1946
Die Bayerische Verfassung wird durch Volksentscheid angenommen.
1946
Die Pfalz wird von Bayern getrennt.
13./14.6.1947
Erste gesamtdeutsche Ministerpräsidentenkonferenz in München.
10.-25.8.1948
Auf Einladung des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hans Ehard tritt der
Ausschuss zur Ausarbeitung des westdeutschen Verfassungsentwurfes auf der
Herreninsel im Chiemsee zusammen.
23.5.1949
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland tritt in Kraft.
1.9.1955
Nach der Aufhebung des Besatzungsstatuts am 5. Mai 1955 kommen Stadt und
Landkreis Lindau wieder zu Bayern.
30.4.1968
Die "Christliche Gemeinschaftsschule" wird bei einem Volksentscheid
mit großer Mehrheit in der Bayerischen Verfassung verankert.
1.7.1972
Die Landkreisreform tritt in Kraft. Anstelle von 143 gibt es nur mehr 71
Landkreise. Außerdem erhalten die Regierungsbezirke eine Neuabgrenzung.
17.6.1984
Mit einem Volksentscheid erteilt Bayern als erstes Bundesland dem Umweltschutz
Verfassungsrang.
20./21.12.1990
Auf Einladung von Ministerpräsident Max Streibl findet in München eine
gesamtdeutsche Ministerpräsidentenkonferenz statt, die zweite nach der
gescheiterten von 1947.
21.4.1994
Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber stellt in einer Regierungserklärung den
Beginn des Programms "Offensive Zukunft Bayern" vor; die Erlöse aus
der Privatisierung von Staatsbeteiligungen von
inzwischen insgesamt rund 5,4 Milliarden DM werden zur Gestaltung von Bayerns
Zukunft verwendet.
Quelle:
Das Haus der Bayerischen Geschichte
Weitere Infos:
Onlineprojekt:
Königreich Bayern (1806 - 1918)
Siehe auch:
Bayern Digital
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