Frank und Frei

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FRANK & FREI
(Renate Schmidt)


Verstehen kann man es schon, wenn viel Franken meinen, als eigenes Bundesland stünden sie besser da denn als bayerisches Kolonialgebiet. Schließlich geht's um Fortschritt und um Geld. Das dicke Geld sitzt nun mal in München, wird dort politisch verteilt und versickert manchmal auffallend rasch nahe der Quelle. Bayerische Strukturpolitik ist wohl am ehesten der Grund, warum sich die Franken vernachlässigt fühlen. Die Kämpfer für ein unabhängiges Bundesland Franken haben sicher recht: Neben Kleinstaaten wie dem Saarland und selbst dem benachbarten Thüringen wäre Franken mit rund 4 Millionen Einwohnern nahezu ein Imperium - und das erst recht, wenn man noch jene "badischen" und "hohenlohischen" Franken dazu zählt, die die Geschichte dem künstlichen Bundesland Baden-Württemberg zugeschlagen hat. Da erinnert man sich: Was die Franken den Bayern, sind die Badener den Württembergern. Und sowenig ein Freiburger ein Schwob ist, ist eben ein Nürnberger ein Bajuware.


Aber wohl schon bei der Frage, wie die fränkische Landeshauptstadt heißen solle, kämen sich die "bunt Gewürfelten" in die Haare. Für die Aschaffenburger wäre Nürnberg genau so ein Wasserkopf, wie es München für die Franken heute ist. Außerdem: 23 Kilometer südöstlich der Nürnberger Stadtgrenzen beginnt die altbayerische Oberpfalz. Ganz gefährlich! Würzburg wäre den lutherischen >Bayreuthern viel zu katholisch, Ansbach den Bambergern viel zu protestantisch..."Small is beautiful" ist nämlich eine uralte fränkische Devise, die von der historischen territorialen Kleinteiligkeit Frankens herrührt, wo sich Reichsstädte und Reichsgrafschaften, Reichsritter-Mini-Herrschaften und Bistümer, Markgräfliches und ehemals Sächsisches zu einem bunten Fleckerlteppich im Geschichtsatlas formieren. Das wärs wohl, was dem uralten anarchistischen Grundzug dieses Völkchens am ehesten entgegenkäme: jedem Dorf seinen Bürgermeister und darüber nur der liebe Gott!


Nicht zu leugnen ist freilich, dass die freiheitsbewegten Franken für ihr Anliegen enorm viel Unterstützung bekommen, die Gerichte den angestrebten Volksentscheid zur Unabhängigkeit aber bisher verhindert haben - parteipolitische Perspektiven spielen dabei übrigens keine Rolle.


So ist die Abspaltung denn letztlich eine hervorragende Drohung, um dafür zu sorgen, dass nicht nur rund um München die Max-Planck- und Fraunhofer- Institute erblühen, sondern auch im Norden - wo es die traditionsreichen Universitäten in Würzburg und Erlangen und neue in Bayreuth und Bamberg gibt. Und dass Radio München nicht immer nur aufs "Fensterbrettl" guckt, um von milden Temperaturen zu künden, während im nordostbayerischen Kühlschrank Hof bereits alles in Eis erstarrt. Das Vorabendprogramm des Bayerischen Fernsehens weiß übrigens den Qualitätsbegriff Franken geschickt zu vermeiden: "Bayern - der Norden" heißt die Sendung zum Tagesgeschehen im Frankenland. -"Allmächd!"- Für fränkische Patrioten ist so etwas schwer erträglich.

 

(Renate Schmidt)

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22.11.2011