Kiem Pauli

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1882-1960

Kiem Pauli

* 25.10.1882
+ 10.09.1960

Kiem Pauli

Bewahrer bodenständiger bayerischer Volksmusik

Die Bewahrung bayerischen Liedergutes und der Name Kiem Pauli sind ohne einander nicht vorstellbar. Ohne diesem unermüdlichen Archivar des "echten bajuwarischen Liedes", wären die oftmals nur mündlich überlieferten Liedertexte wahrscheinlich in Vergessenheit geraten und restlos von der "volkstümlichen Stadelmusik" ersetzt worden. Die gibt es so zwar auch jetzt , die ursprüngliche Volksmusik blieb uns jedoch erhalten und wird im bajuwarischen Sprachraum weiter gepflegt und praktiziert, nicht zuletzt ein unschätzbarer Verdienst vom "Kiem Pauli".

Wer war nun der Kiem Pauli ?

Niemand besser als Herzog Albrecht von Bayern könnte dieses Urgestein bayerischer Volksgeschichte besser beschreiben.

Zum 100. Geburtstag schrieb Herzog Albrecht von Bayern:

Am 25. Oktober 1982 werden es 100 Jahre seit der Kiem Pauli geboren wurde. Das erste mal habe ich ihn gesehen und gehört, wie er den Soldaten im Ersten Weltkrieg in Frankreich vorgesungen hat. Ich war damals ein Bub bei meinem Vater zu Besuch, weil er sich keinen Urlaub nehmen konnte.

Nach dem Krieg war der Kiem Pauli oft auch mit Ludwig Thoma beim Bruder meiner Mutter in Kreuth. Er hat damals im berühmten Trio "Reiter-Holl-Kiem" gesungen und gespielt. Durch ein Magenleiden, das er im Krieg bekommen hatte, wurden zwei Operationen notwendig, und da er nach der zweiten nicht mehr jeden Abend das anstrengende Singen und Spielen mitmachen konnte, ist er dann von Tegernsee ganz nach Kreuth übersiedelt. Er hat dann bei uns gewohnt, wo er die Ruhe gehabt hat, sich ganz auf das Sammeln der Lieder und Volksmusik sowie auf deren Wiederbelebung zu verlegen.

Kiem Pauli und seine SchätzeWas er auf diesem Gebiet geleistet hat, darüber braucht man kein Wort zu verlieren; das ist bekannt genug. Was er aber gewollt hat, soll in seinem Sinn anlässlich dieses Jahrestages wieder in Erinnerung gebracht werden. Nachdem der Pauli bei uns gelebt hat, weiß ich, dass er, wenn er heute noch leben würde, sehr glücklich darüber wäre, dass die Saat, die er gelegt hat, so gut aufgegangen ist, und das heute wieder viel mehr gesungen und musiziert wird, als damals in den zwanziger Jahren. Aber vieles daran würde ihm gar nicht gefallen.

Was der Pauli gewollt hat, ist, dass unsere bodenständige Volksmusik nicht durch internationale Modemusik verfälscht und verdrängt wird, und schließlich verloren geht. Sein Wille war, sie wieder zu beleben, so dass das Landvolk wieder Freude daranbekommt, für sich selber singt und musiziert, und nicht als Darbietung für ein Publikum! Die Volksmusik auf dem Podium hat er nicht gern gesehen, außer als Hilfsmittel zu diesem Zweck, wie bei dem unvergesslichen Preissingen in Egern. Ganz scharf und hart hat der sonst so gutherzige Kiem Pauli werden können, wenn er gemerkt hat, dass mit der Volksmusik ein unsauberes Geschäft gemacht werden sollte. In dieser Beziehung war der Pauli unerbittlich streng. Sein Charakter war eben sauber, offen, grad und furchtlos, wie auch seine Haltung in unseren finstersten Zeiten bewiesen hat.

Wenn heute sein Andenken gefeiert werden soll, so am besten indem man seinen Wunsch erfüllt und dafür sorgt, dass Sänger und Musikanten nachwachsen, die unter sich und aus Freude musizieren in Vielfalt, jeder nach seiner eigenen Art und seiner Gegend, und die nicht alle den gleichen, gerade gefeierten "Star" nachmachen wollen. Und vor allem: Volksmusik soll vom Volk aus und für das Volk da sein, und nicht als Attraktion und Geschäft für ein sensationslüsternes Publikum gemacht und missbraucht werden.

Herzog Albrecht von Bayern


 

Kiem Pauli und seine Spezln

 


 

Weitere Informationen:

 

Nachdruck der
"Sammlung oberbayerischer Volkslieder"
Kiem Pauli
1934

Neuausgabe von 1961
Kiem Pauli
"Alte Oberbayerische Volkslieder"
Parkland-Verlag
464 Seiten

Internet:
http://www.winkler-kreuth.de/tradition/Volksmusik.htm

 

 

 

 


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22.11.2011