|

|
Bewahrer bodenständiger
bayerischer Volksmusik
Die Bewahrung bayerischen Liedergutes und der Name Kiem Pauli sind
ohne einander nicht vorstellbar. Ohne diesem unermüdlichen Archivar des
"echten bajuwarischen Liedes", wären die oftmals nur mündlich
überlieferten Liedertexte wahrscheinlich in Vergessenheit geraten und
restlos von der "volkstümlichen Stadelmusik" ersetzt worden. Die gibt es
so zwar auch jetzt , die ursprüngliche Volksmusik blieb uns jedoch
erhalten und wird im bajuwarischen Sprachraum weiter gepflegt und
praktiziert, nicht zuletzt ein unschätzbarer Verdienst vom "Kiem Pauli".
Wer war nun der Kiem Pauli ?
Niemand besser als Herzog Albrecht von Bayern könnte dieses
Urgestein bayerischer Volksgeschichte besser beschreiben.
Zum 100. Geburtstag schrieb Herzog Albrecht von Bayern:
Am 25. Oktober 1982 werden es 100 Jahre seit
der Kiem Pauli geboren wurde. Das erste mal habe ich ihn gesehen und gehört,
wie er den Soldaten im Ersten Weltkrieg in Frankreich vorgesungen hat. Ich
war damals ein Bub bei meinem Vater zu Besuch, weil er sich keinen Urlaub
nehmen konnte.
Nach dem Krieg war der Kiem Pauli oft auch
mit Ludwig Thoma beim Bruder meiner Mutter in Kreuth. Er hat damals im
berühmten Trio "Reiter-Holl-Kiem" gesungen und gespielt. Durch ein
Magenleiden, das er im Krieg bekommen hatte, wurden zwei Operationen
notwendig, und da er nach der zweiten nicht mehr jeden Abend das
anstrengende Singen und Spielen mitmachen konnte, ist er dann von Tegernsee
ganz nach Kreuth übersiedelt. Er hat dann bei uns gewohnt, wo er die Ruhe
gehabt hat, sich ganz auf das Sammeln der Lieder und Volksmusik sowie auf
deren Wiederbelebung zu verlegen.
Was er auf diesem Gebiet geleistet hat,
darüber braucht man kein Wort zu verlieren; das ist bekannt genug. Was er
aber gewollt hat, soll in seinem Sinn anlässlich dieses Jahrestages wieder
in Erinnerung gebracht werden. Nachdem der Pauli bei uns gelebt hat, weiß
ich, dass er, wenn er heute noch leben würde, sehr glücklich darüber wäre,
dass die Saat, die er gelegt hat, so gut aufgegangen ist, und das heute
wieder viel mehr gesungen und musiziert wird, als damals in den zwanziger
Jahren. Aber vieles daran würde ihm gar nicht gefallen.
Was
der Pauli gewollt hat, ist, dass unsere bodenständige Volksmusik nicht durch
internationale Modemusik verfälscht und verdrängt wird, und schließlich
verloren geht. Sein Wille war, sie wieder zu beleben, so dass das Landvolk
wieder Freude daranbekommt, für sich selber singt und musiziert, und nicht
als Darbietung für ein Publikum! Die Volksmusik auf dem Podium hat er nicht
gern gesehen, außer als Hilfsmittel zu diesem Zweck, wie bei dem
unvergesslichen Preissingen in Egern. Ganz scharf und hart hat der sonst so
gutherzige Kiem Pauli werden können, wenn er gemerkt hat, dass mit der
Volksmusik ein unsauberes Geschäft gemacht werden sollte. In dieser
Beziehung war der Pauli unerbittlich streng. Sein Charakter war eben sauber,
offen, grad und furchtlos, wie auch seine Haltung in unseren finstersten
Zeiten bewiesen hat.
Wenn heute sein Andenken gefeiert werden
soll, so am besten indem man seinen Wunsch erfüllt und dafür sorgt, dass
Sänger und Musikanten nachwachsen, die unter sich und aus Freude musizieren
in Vielfalt, jeder nach seiner eigenen Art und seiner Gegend, und die nicht
alle den gleichen, gerade gefeierten "Star" nachmachen wollen. Und vor
allem: Volksmusik soll vom Volk aus und für das Volk da sein, und nicht als
Attraktion und Geschäft für ein sensationslüsternes Publikum gemacht und
missbraucht werden.
Herzog Albrecht von Bayern

Weitere Informationen:
|