Natürliche Klimavariabilität vermutlich stärker als bisher angenommen
Fruchtbare Zusammenarbeit zwischen
Paläoklimatologen, Meteorologen und
Klimamodellierern
ALFRED-WEGENER-INSTITUT FÜR POLAR-
UND MEERESFORSCHUNG (AWI)
in der Helmholtz-Gemeinschaft
DEUTSCHE METEOROLOGISCHE
GESELLSCHAFT (DMG)
GEOFORSCHUNGSZENTRUM POTSDAM (GFZ)
in der Helmholtz-Gemeinschaft
POTSDAM-INSTITUT FÜR
KLIMAFOLGENFORSCHUNG (PIK)
Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft
Das Klima unseres Planeten erweist
sich als ein weit verzweigtes, komplexes System, dessen Wechselwirkungen noch
einige Überraschungen aufweisen. Die 6. Deutsche Klimatagung in Potsdam stellte
als Hauptresultat fest, dass die natürliche Klimavariabilität vermutlich größer
ist als bisher angenommen.
Über 250 Wissenschaftler diskutierten neueste Resultate zur beobachteten und
rekonstruierten Klimavariabilität. In der Zusammenschau von Klimamodellstudien,
Realdaten und Klimarekonstruktionen ist das Ziel, zu einer physikalischen
Interpretation der Resultate aus den Klimaarchiven zu kommen und die Modelle zu
prüfen, mit denen mögliche künftige Änderungen des Klimas abgeschätzt werden
sollen.
Die Tagung wurde vom
Alfred-Wegener-Institut (AWI), GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) und Potsdam
Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gemeinsam mit der Deutschen
Meteorologischen Gesellschaft im traditionsreichen Wissenschaftspark auf dem
Telegrafenberg Potsdam organisiert. Ein wesentliches Element der 6. DKT bestand
darin, dass die in den letzten Jahren begonnene fruchtbare Zusammenarbeit
zwischen Paläoklimatologen, Meteorologen und Klimamodellierern mit neuen
Inhalten bereichert wurde.
Das Klimasystem der Erde ist ein
nichtlineares dynamisches System, das unter dem Einfluss externer Prozesse und
interner Wechselwirkungsprozesse einem permanenten Wandel unterliegt. Die
Vorhersage von Klimavariationen auf jahreszeitlichen über dekadische Zeitskalen
bis zum Verständnis der Klimastabilität der gegenwärtigen Warmzeit und den
Ursachen für Eiszeiten ist nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch
öffentlichem und ökonomischem Interesse.
Jörg Negendank, GFZ Potsdam, erklärt,
dass "ein wesentliches Ergebnis der 6. DKT darin besteht, dass die Unsicherheit
in den Rekonstruktionen von Proxydaten größer als bisher angenommen ist und
damit weiterhin Unsicherheiten in der Abschätzung der Stärke der natürlichen
Klimavariabilität bestehen". Ein in diesem Zusammenhang besonders interessantes
Phänomen, das für das Auf und Ab der Temperaturen in der Arktis und in den
mittleren Breiten verantwortlich ist, heißt "Arktische Oszillation". Dabei
handelt es sich um eine großräumige dekadische Schwingung der Atmosphäre.
Klaus Dethloff, AWI, hält dazu fest:
"So wie eine Trommel natürliche
Schwingungsmoden hat, ist die Arktische Oszillation eine natürliche Schwingung
der Atmosphäre. Wenn man die Atmosphäre anstößt, mit schwankender
Sonneneinstrahlung, mit Vulkanaerosolen, die das Sonnenlicht abblocken oder mit
zusätzlichen Treibhausgasen und Ozonänderungen, reagiert sie mit den
Schwingungen der Arktischen Oszillation".
Jedes externe oder anthropogene Signal wird durch diese dekadische
Klimavariabilität maskiert. Dies erschwert die Bewertung der globalen und
regionalen Auswirkungen menschlicher Eingriffe in die natürlichen Gleichgewichte
in diesem komplexen System. Die Wechselwirkung zwischen den langsamer
variierenden Randbedingungen der Eiskappen in Arktis und Antarktis, der
thermohalinen Ozeanzirkulation und der Vegetation mit internen Instabilitäten
der atmosphärischen und ozeanischen Strömungsmuster bestimmt die
Klimavariabilität und abrupte Klimasprünge auf längeren Zeitskalen.
Martin Claußen, PIK, weist darauf
hin, dass "das Studium der Klimageschichte durch Rekonstruktion und
modellgestützte Interpretation unsere Wissenslücken bezüglich langfristiger
Klimavariabilität schließen kann. Das hat diese Tagung eindrucksvoll belegt.
Doch benötigen wir weiterhin kontinuierliche Langzeitbeobachtungen in allen
Bereichen des Klimasystems. Ferner müssen die Rekonstruktionsansätze für
Paläoklimadaten verfeinert und Klimasystemmodelle verbessert werden".
Studien und Analysen zum Klima

Siehe auch:
Die Corumbella
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