|

Die Biologische Aktivität der Meere und Klima-Änderung
Die atmosphärische CO2-Konzentration der letzten 400.000
Jahre
wird durch die biologische Aktivität und die
Schichtung der polaren und subpolaren Ozeane kontrolliert
Während der letzten 400.000 Jahre
lässt sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Konzentration des
atmosphärischen Kohlendioxids und der Schichtung der polaren und subpolaren
Ozeane nachweisen. Wie ein Forscherteam aus der Schweiz, Deutschland und
Nordamerika in der neusten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins 'Science' (13. Mai)
zeigt, führen die Änderungen der durch Salzgehalt und Temperatur bedingten
Schichtung dieser Meeresregionen und die damit verbundene biologische Aktivität
zu natürlichen Schwankungen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Die
Wissenschaftler können nachweisen, dass eine stabilere physikalische Schichtung
der Wasseroberfläche im subarktischen Nord-Pazifik die biologische Aktivität in
den Kaltzeiten reduzierte. Die verstärkte Stabilität der Schichtung durch eine 'Süsswasserkappe'
führte dazu, dass in den Kaltzeiten weniger Nährstoffe und CO2 an der
Wasseroberfläche exponiert und vom Ozean in die Atmosphäre abgegeben wurden.
Die Forschergruppe mit Wissenschaftlern der ETH Zürich, des GFZ Potsdam, der
Universität Bremen, der Princeton-University, USA und der University of
Victoria, Canada, nahm geochemische Messungen an Meeressedimenten des
subarktischen Nordpazifiks vor. "Es ergaben sich sehr gute Übereinstimmungen
zwischen der Variabilität der Algenproduktivität der Region und der aus
Eisbohrkernen der Antarktis gewonnenen atmosphärischen CO2-Konzentration während
der letzten 400 000 Jahre", so Gerald Haug vom GFZ Potsdam. "Damit erweitert
sich die Indizienkette, dass die physikalische Schichtung der polaren und
subpolaren Ozeane als 'kommunizierende Röhre' im Gasaustausch zwischen Ozean und
Atmosphäre eine zentrale Rolle in der globalen Klimaentwicklung spielt."
Da der Ozean eine 50 mal höhere CO2-Konzentration als die Atmosphäre hat, ist
der Austausch zwischen Ozean und Atmosphäre entscheidend für die atmosphärische
Treibhausgaskonzentration. Aus dem direkten Zusammenhang zwischen globaler
Erwärmung und der Stabilität der Schichtung der polaren und subpolaren Ozeane
wird klar, dass im Rahmen einer schnell voranschreitenden anthropogen bedingten
Erwärmung sich der Austausch Ozean-Atmosphäre beschleunigen kann mit einer
verstärkenden positiven Rückkopplung auf die Erwärmung.
Der Gehalt des Treibhausgases CO2 in
der Erdatmosphäre ist ein entscheidendes Regulativ des globalen Klimas. Ohne
atmosphärische Treibhausgase läge die mittlere Temperatur des unseres Planeten
bei minus 18 Grad Celsius. Die präindustriellen Treibhausgaskonzentrationen
schwankten während der letzten 400.000 Jahre zwischen 280 ppm (parts per million)
in den Warm- oder Interglazialzeiten und 180 ppm in den Kalt- oder Glazialzeiten
bei mittleren globalen Temperaturen zwischen 15 und 12 Grad Celsius. Der heutige
atmosphärische CO2-Gehalt beträgt 370 ppm und steigt stark an, die damit
verbundene derzeitige globale Erwärmung liegt bei etwa 0,7 Grad Celsius in den
letzten 130 Jahren.
Im jüngsten geologischen Analog einer
wärmeren Welt, der pliozänen Warmzeit vor etwa 3 Millionen Jahren, lag die
mittlere Temperatur des Planeten Erde um etwa 2 bis 3 Grad Celsius höher als
heute und die atmosphärische CO2-Konzentration betrug 400 bis 500 ppm. Damals
war diese ozeanische 'Süsswasserkappe' im subarktischen Nord-Pazifik nicht
vorhanden und im Südpolarmeer stark reduziert und unser Planet hatte kein Eis
auf der Nordhemisphäre, auch nicht auf Grönland, mit dem Ergebnis eines sechs
Meter höheren Meeresspiegels. Bei der derzeitigen anthropogenen Emission von
Treibhausgasen wie CO2 ist es wahrscheinlich, dass ein solches Szenario einer
eisfreien Nordhemisphäre in diesem Jahrhundert angestoßen oder realisiert wird.
Ansprechpartner Deutschland:
Gerald Haug, GFZ Potsdam
email: haug@gfz-potsdam.de
Quellen:
GeoForschungsZentrum Potsdam
Informationsdienst Wissenschaft
|