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Internationales
EDELWEISS II-Experiment
zur Untersuchung der
dunklen Materie
wird im Untergrundlabor von Modane, Frankreich, aufgebaut
Das Universum ist nach heutigem Erkenntnisstand nur zu einem kleinen Teil
für uns sichtbar. Der größte Anteil seiner Masse besteht aus so genannter
dunkler Energie und dunkler Materie. Der Untersuchung der dunklen Materie dient
das Experiment EDELWEISS II, das zurzeit von einer internationalen
Wissenschaftlergruppe in einem Untergrundlabor in den französischen Alpen
aufgebaut wird. EDELWEISS II wird am 31. März 2006 eingeweiht.
Die Messungen aus Rotationskurven von Galaxien und der Expansionsrate des
Universums legen nahe, dass wir nur einen kleinen Teil der Materie im Kosmos
sehen: rund 4 % bilden die sichtbare Materie, aus der die Sonnen der Galaxien
bestehen. Der große Rest ist für uns nicht direkt sichtbar und besteht aus
dunkler Energie (rund 73 %) und dunkler Materie (rund 23 %). Diese dunkle
Materie kann aus sehr leichten Teilchen, beispielsweise Neutrinos, oder aus sehr
massereichen, noch unbekannten neuen Teilchen bestehen. So wird im
Forschungszentrum Karlsruhe gerade das Experiment KATRIN aufgebaut, um zu
klären, wie groß die Masse der Neutrinos ist. Der vermutlich deutlich größere
Anteil der dunklen Materie wird jedoch den so genannten WIMPs zugeschrieben.
WIMPs (Weakly Interacting Massive Particles = schwach wechselwirkende schwere
Partikel) sind geheimnisvolle und bisher spekulative Partikel, die von Modellen
der Elementarteilchenphysik vorhergesagt werden und die sich in unserer
Milchstraße in großer Anzahl befinden sollten. In einem Untergrundlabor in den
französischen Alpen gehen Wissenschaftler aus Frankreich, Deutschland und
Russland mit dem Experiment "EDELWEISS II" auf die Suche nach diesen
galaktischen WIMPs.
Die Detektoren bestehen aus hochreinen Germaniumkristallen und werden fast
auf den absoluten Nullpunkt (auf 0,02 Kelvin, entsprechend -273,13° Celsius)
abgekühlt. In diesen Detektoren - so genannten Bolometern - müsste gelegentlich
ein WIMP mit einem Germanium-Atomkern zusammenstoßen. Die dabei freiwerdende
Energie versetzt den Germaniumkristall in Schwingung; dies löst eine geringe,
aber messbare Temperaturerhöhung aus. Außerdem werden durch den Rückstoß des
Germaniumkerns elektrische Ladungen erzeugt, die gleichzeitig gemessen werden.
Die erwarteten Zählraten sind äußerst gering (eventuell nur einige Ereignisse
pro Jahr und Kilogramm Detektormaterial). Deshalb müssen die Wissenschaftler
sehr viel Aufwand betreiben, um unerwünschte Störsignale auszuschließen.
EDELWEISS II (EDELWEISS steht für Expérience pour DEtecter Les WIMPs En Site
Souterrain) entsteht tief unter der Erde, in einer Experimentierhalle des
Untergrundlabors von Modane im Frejus-Tunnel in den französischen Alpen. Hier
schirmen 1700 Meter Gestein den größten Teil der kosmischen Strahlen ab. "Was
von der kosmischen Strahlung im Untergrund noch übrig bleibt - weniger als ein
Millionstel aller Myonen, die an der Erdoberfläche ankommen - wird von einem 100
m2 großen System von Detektoren des Forschungszentrums Karlsruhe aufgespürt und
kann die Messungen nicht mehr stören", erklärt Dr. Klaus Eitel, der im Institut
für Kernphysik des Forschungszentrums Karlsruhe für dieses Experiment
verantwortlich ist. "Andere Strahlung, die aus dem umliegenden Gestein kommt,
wird durch massive Blei- und Polyethylenplatten abgeschirmt. Außerdem haben wir
für alle kritischen Bauteile des Experiments Materialien mit extrem niedriger
Radioaktivität ausgewählt."
Das Herzstück des Experiments ist ein Kryostat mit 100 Litern Volumen, der
die Germaniumdetektoren auf einer Temperatur von 0,02 Kelvin hält. Derzeit ist
er mit 8 Bolometern bestückt, in der ersten Jahreshälfte wird die erste
Ausbaustufe mit 28 Bolometern vollendet werden. Ab 2007 soll die Anzahl der
Detektoren um weitere 90 steigen. Mit einer Gesamtmasse von dann 30 kg Germanium
steigert das EDELWEISS II-Experiment die Sensitivität für den Nachweis von WIMPs
um einen Faktor 100 und kann damit viele Modellvorhersagen der
Elementarteilchenphysik überprüfen.
Die EDELWEISS-Kollaboration besteht aus sechs französischen Forschergruppen,
einem russischen Team, dem Forschungszentrum Karlsruhe sowie der Universität
Karlsruhe. Sie bringt Spezialisten sehr unterschiedlicher Disziplinen wie
Elementarteilchenphysik, Festkörperphysik, Astrophysik und Tieftemperaturphysik
zusammen. Das Vorläufer-Experiment (EDELWEISS I) konnte bis 2002 die bis dahin
sensitivste Suche nach dunkler Materie durchführen und dabei zeigen, dass die
eingesetzte Technik, die nun Basis des EDELWEISS II-Experimentes ist, die
Erwartungen erfüllte.
Die Arbeiten werden unterstützt durch das Virtuelle Institut für Dunkle
Materie und Neutrinos VIDMAN, das aus dem Impuls- und Vernetzungsfond der
Helmholtz-Gemeinschaft gefördert wird.
Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die
mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden
Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24 000
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den
Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum,
Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.
Quellen:
Informationsdienst Wissenschaft
Forschungszentrum Karlsruhe
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