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Wie
die Erde einst verkrustete
Greifswald schreibt neue Erdgeschichte
Die
Erde ist 4500 Millionen Jahre alt, jedoch stammen weit weniger als 5% der
Gesteine aus den ersten 30% dieses Zeitraums. Die kontinentale Kruste, also die
Landmassen, wurde nach und nach gebildet, mit einem kräftigen Schub zwischen
3500 und 2500 Millionen Jahren vor heute. Dies muß heißen, dass geologische
Prozesse in der ersten Hälfte der Erdgeschichte ganz anders abgelaufen sind als
auf der modernen Erde. Geologen müssen üblicherweise annehmen, dass Prozesse in
der Vergangenheit genau so waren wie heute - nur so können sie Hinweise aus den
Gesteinen locken, um zu verstehen, was los war. Diese Annahme trägt jedoch immer
weniger, je weiter man in der/die Erdgeschichte zurückschaut. Wie also liefen
geologische Prozesse in der Frühzeit der Erde ab? Gab es Plattentektonik wie
heute?
In
einem zweiten Artikel innerhalb von 7 Monaten zu diesem Thema in der
Wissenschaftszeitschrift "Nature" (Band 421, S. 249-252, 16. Januar, 2003) haben
Geologen der Universität Greifswald Schlussfolgerungen über die Art der
Plattentektonik auf der frühen Erde ziehen können. Zusammen mit Stephan Buhre
von der Universität Frankfurt sind die Greifswalder Stephen Foley und Dorrit
Jacob einem neuen Ansatz nachgegangen: anhand von Laborexperimenten unter hohen
Drücken zeigen sie, dass die Platten sich damals während Plattenkollisionen
geteilt haben. Auf der modernen Erde sinken ozeanische Platten gänzlich unter
Kontinente in einem Prozess namens Subduktion. Vor 3500 Millionen Jahren waren
die ozeanischen Platten jedoch wesentlich dicker, eine Folge aus der deutlich
heißeren Erde zu dieser Zeit. In der Art verdickte Platten spalten sich während
Plattenkollision auf, und nur die untere Hälfte kehrt in den Erdmantel zurück.
Die kontinentale
Kruste kann aber erst dann gebildet werden, wenn die oberen Schichten der Kruste
in die Tiefe kommen und aufschmelzen. Das bedeutet, dass die Bildung der
Kontinente erst dann stattfinden kann, wenn die gesamte (ozeanische) Platte in
den Erdmantel zurücksinkt. Dies fing im großen Stil erst an, als die Erde weiter
abkühlte (etwa 3000 Millionen Jahre vor heute) und erklärt den Wachstumsschub
der Kontinente zu dieser Zeit.
Geologische Prozesse
heute werden auf bedeutende Unterschiede zwischen Kontinenten und Ozeanen
zurückgeführt. Die Arbeit der Greifswalder Geologen besagt, dass es diese großen
Unterschiede während der ersten 30% der Erdgeschichte kaum gab.
Quellen:
Prof. Dr. Stephen
Foley, Tel. 03834-86-4589, e-mail
sfoley@uni-greifswald.de
Dr. Dorrit Jacob,
Tel. 03834-86-4595, e-mail:
djacob@uni-greifswald.de,
Institut für Geologische Wissenschaften, 17487 Universität Greifswald, Fax
03834-86-4572.
Nature 421, 249-252 (16. Januar, 2003)
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