Krebsimmuntherapie

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Aktivierte Killerzellen sollen den Krebs auffressen

Die Regensburger Biotech-Firma
Multimmune
entwickelt eine viel versprechende Ergänzung zur Chemotherapie

Mit einer gehörigen Portion Enthusiasmus kamen Gabriele Multhoff und Claus Botzler 1999 nach Regensburg. Der BioPark steckte noch in den Kinderschuhen, doch der Standort war für die Münchner Wissenschaftler höchst interessant. Auch wenn sich anfangs manche Erwartung nicht erfüllt hat – mit ihrer Firma Multimmune stehen die beiden Biotechnologen inzwischen vor einem Durchbruch in der Krebsimmuntherapie.

Multimmune - Fr.Prof.Dr.Multhoff
Bis zu zehn Millionen Tumorzellen wimmeln in der Schale unter dem Mikroskop. Die aus menschlichen Gewebeproben gewonnenen Zellen werden Mäusen injiziert, um an diesen das neue Therapeutikum zu erproben. Fotos: Krumbholz / MZ

Für die Zulassung ihrer patentierten Methode zur Tumor- und Metastasenbekämpfung arbeitet die Firma derzeit am zweiten Erprobungsstadium, der so genannten Klinischen Phase II. „Da es beispielsweise für fortgeschrittenen Lungenkrebs noch keinerlei wirksame Therapie gibt, wäre es aus Dringlichkeitsgründen möglich, dass unsere Behandlung bereits während dieser Phase zugelassen werden kann“, sagt Dr. Claus Botzler. Betroffene Patienten könnten also eventuell in zwei bis drei Jahren von den Forschungen profitieren. Langfristiges Ziel ist eine Alternative zur Chemotherapie. „Im jetzigen Stadium können wir allerdings erst von einer Ergänzung zu herkömmlichen Methoden sprechen“, stellt Prof. Dr. Gabriele Multhoff klar.

Der viel versprechende Ansatz hat mittlerweile 15 Jahre intensiver Vorausleistungen hinter sich. „Angefangen hat alles mit einer Hyperthermie-Behandlung am Klinikum München-Großhadern. Dadurch kamen wir auf die exponierte Position von Hitzeschockproteinen in Tumorzellen“, erklärt Multhoff. Hitzeschockproteine kommen in den Zellen aller Lebewesen vor. In menschlichen Krebszellen sitzen diese Proteine allerdings außen auf der Membran – anders als bei gesunden Zellen. Nachdem sie dieses Alleinstellungsmerkmal entdeckt hatten, fanden Multhoff und Botzler 1995 heraus, dass Natürliche Killer-(NK)-Zellen, also menschliche Immunabwehrzellen, diese Struktur erkennen können. Und: Wenn man sie entsprechend aktiviert, können sie die bösartigen Zellen sogar zerstören. „Der Vorteil ist, dass nur die Tumorzellen vernichtet werden und nicht – wie etwa bei der Chemotherapie – alle schnell wachsenden Zellen, wie zum Beispiel die Haarzellen.“

Ambulante Behandlung

Eine Behandlung würde ambulant erfolgen. „Am ersten Tag kommt der Patient zur Blutentnahme. Dann geben wir unser Peptid hinzu, das die NK-Zellen im Blut aktiviert. Nach etwa vier Tagen kann das auf diese Weise angereicherte Blut dem Patienten per Infusion wieder verabreicht werden“, erläutert Multhoff den Ablauf. Besonders nach der chirurgischen Entfernung des Haupttumors könne so die Bildung neuer Metastasen zuverlässig verhindert werden.

Für die sehr kostenaufwändige dritte Testphase steht Multimmune derzeit mit mehreren großen Pharmafirmen in Kontakt. Die bisher abgeschlossenen Stufen wurden über Beteiligungen von privaten Investoren, der Technologie-Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Ausgleichsbank und der Bayern GmbH & Co. KG sowie über Fördermittel des Bundes finanziert. Außerdem flossen Gelder aus einer Forschungskooperation mit der Schering AG.

„Bis zum Ende der Klinischen Phase II brauchen wir noch sechs Millionen Euro, schätzt Claus Botzler. Er ist zuversichtlich, dass sich geeignete Geldgeber finden werden: „Unsere Ergebnisse sprechen für sich.“ Um das Geschäftsrisiko so gering wie möglich zu halten, hat Multimmune modifizierte Produkte des gleichen Segments in der Pipeline. „Sollte die erste Lösung wider Erwarten die weiteren Hürden nicht nehmen können, hätten wir noch etwas in der Schublade“, erläutert Botzler.

Außer den beiden Firmengründern sind noch drei Mitarbeiter im Multimmune-Team – sie arbeiten auf einer Doktorandenstelle, einer Post-Doc-Stelle und einer Stelle für einen technischen Assistenten.

 

Top-Zusammenarbeit mit Uni

Im Vergleich zu Biotech-Teams in anderen Städten hat Multimmune durch seinen Standort am Uni-Klinikum Regensburg einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: „Die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Andreesen von der Hämatologie-Onkologie-Station klappt einwandfrei“, sagt Multhoff. Seit 1999 stellte Andreesen dem Team über 900 Biopsieproben zu Forschungszwecken zur Verfügung. „Andere müssen da auf Banken zurückgreifen, in denen die Proben oft schon lange lagern und die Zellen deshalb bereits künstlich verändert sind“, erklärt Botzler.
Nach den nun überwundenen Startschwierigkeiten am Standort Regensburg ist Multimmune mit den jetzigen Bedingungen sehr zufrieden. „Wir wollen uns natürlich auch erweitern. Dann müssten wir aber tatsächlich in den BioPark umziehen“, sagen die beiden Biotech-Profis.

 


Quellen:

mz

Universität Regensburg


Weitere Informationen:

Bioregio Regensburg - Partner
Lifescience Profil


Kontakt

MULTIMMUNE - Die Biotechfirma Prof. Dr. Gabriele Multhoff
Phone: +49 941 944 5575
Fax:     +49 941 944 5572
eMail: Gabriele.Multhoff@multimmune.de

Dr. Claus Botzler
Phone: +49 941 944 5532
Fax:     +49 941 944 5533
eMail: Claus.Botzler@multimmune.de

Postal Address
multimmune GmbH
Franz-Josef-Strauss-Allee 11
93053 Regensburg

Web
www.multimmune.de

 

 

 


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22.11.2011