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Mit Gedanken den Computer lenken
Berliner Forscher möchten künftig die Kraft der Gedanken nutzen, um Computer zu bedienen, Prothesen zu steuern oder bei Querschnittsgelähmten die gestörte Verbindung zwischen Gehirn und Muskulatur zu überbrücken. Dazu entwickeln sie auf der Basis von Gehirnströmen ein Brain-Computer Interface (BCI).
"Die Gedanken sind
frei / Wer kann sie erraten? / Sie fliegen vorbei / Wie nächtliche Schatten" -
heißt es in einem alten Volkslied. Doch ganz stimmt diese Aussage nicht mehr:
Ein interdisziplinäres Forscherteam in Berlin ist den Gedanken auf der Spur.
Informatiker des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik
FIRST und Neurologen vom Universitätsklinikum Benjamin Franklin können anhand
von Gehirnströmen erkennen, ob ein Mensch zum Beispiel seine rechte oder linke
Hand bewegen will. Um die Hirnströme zu messen, nutzen die Forscher das
Elektroenzephalogramm (EEG). 128 an der Kopfhaut angebrachte Elektroden messen
die schwachen Ströme. Zahlreiche Forschergruppen in den USA und Europa arbeiten
an derartigen Verfahren für ein Brain-Computer Interface. Im Unterschied zu
anderen Projekten müssen Versuchspersonen in Berlin aber nicht in einem
langwierigen Training lernen, ihre Hirnströme zu kontrollieren. "Hier lernt der
Computer die neurophysiologischen Signale richtig zu interpretieren", erläutert
Dr. Gabriel Curio von der Arbeitsgruppe Neurophysik am Universitätsklinikum
Benjamin Franklin den besonderen Ansatz des Berliner Projekts. Gemeinsam mit
Prof. Dr. Klaus-Robert Müller vom Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur
und Softwaretechnik leitet er das vom Bundesforschungsministerium geförderte
Vorhaben. Dabei machen sich die Forscher ein physiologisches Phänomen zu Nutze:
Etwa eine halbe Sekunde bevor ein Mensch eine Bewegung ausführt, ändern sich die
Gehirnströme. Dieses nur wenige Millionstel Volt große "Bereitschaftspotenzial"
zeigt an, dass der Mensch eine Bewegung plant. Doch wie kann bei der
Vielzahl unterschiedlicher Signale, die das menschliche Gehirn in jeder Sekunde
produziert, das gesuchte Bereitschaftspotenzial herausgefiltert werden? Die
Fraunhofer-Spezialisten für Intelligente Datenanalyse entwickelten hierfür eine
Software, die in dem diffusen Informationsgemisch das gesuchte Signal erkennt.
"Es ist ähnlich wie bei einer Cocktailparty. Dort muss man auch aus zahlreichen
Stimmen, Geschirrklappern, Musik oder Türenschlagen die Stimmen seines
Gesprächspartners herausfiltern, um sich trotz der anderen Geräusche unterhalten
zu können", erklärt Prof. Müller. Spezielle Algorithmen trennen deshalb die
unterschiedlichen Gehirnquellen voneinander. "Darüber hinaus untersuchen wir die
Struktur der Daten und prüfen mit Methoden des Maschinellen Lernens, wo sie sich
unterscheiden", sagt der Experte. Die Arbeiten des
Forscherteams stehen unter dem Motto: "Let the machines learn!" Denn der
Computer muss lernen, diese gemessenen Signale einer bestimmten Bewegung
zuzuordnen. Dazu tippt eine Versuchsperson mit dem rechten oder linken
Zeigefinger auf einer Computer-Tastatur. Der Rechner lernt schnell. Schon nach
20 Minuten kann der Proband quasi mit der Kraft seiner Gedanken einen Cursor
steuern. Will er den rechten Finger bewegen, geht der Cursor bereits eine
Viertelsekunde vor der eigentlichen Bewegung auf die rechte Bildschirmseite.
"Bei einigen Probanden lässt sich die geplante Bewegung mit einer Sicherheit von
97 Prozent vorhersagen", betont Müller. Bis zu 50 Entscheidungen pro Minute
können so in technische Steuerungssignale umgesetzt werden.
Quelle:
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