Presseinformation
TU Clausthal
28. Juli 2005
Geokunststoffen im Straßenbau
Experten der
TU Clausthal entwickeln neue Richtlinien
Geokunststoffe sollen die Grundlage für neue Straßen sein, die
den dauerhaften Belastungen aus dem Verkehr sowie
Witterungseinflüssen länger als bisher standhalten können.
Im Institut für Geotechnik und Markscheidewesen untersuchen
Professor Norbert Meyer und seine Mitarbeiter so genannte
Geokunststoffe oder -textilien, die in die Asphaltdecke oder den
Oberbau von Straßen eingearbeitet werden. Die so genannten
Asphalteinlagen in Gitter- und Mattenform erhöhen die Belastbarkeit
konventioneller Baustoffe und bestehen aus Kunststoff oder
Glasfaser. Die Vorsilbe "Geo" macht deutlich, dass das Material in
der Erde eingesetzt wird. "Mit solchen Einlagen hat man in den USA
bereits 90 Millionen Quadratmeter und in Europa etwa 20 Millionen
Quadratmeter Fahrbahn saniert und neu gebaut," so Professor Norbert
Meyer. "In Deutschland wird die Methode bisher wenig genutzt. Wir
haben jedoch in zahlreichen Kommunen bundesweit Teststrecken mit
Geokunststoffen ausgestattet, um zu demonstrieren, welche Vorteile
die Materialen bieten." Zum Einsatz kommen Vliese, Gitter und
Kombinationsprodukte. Erfahrungen im Ausland zeigen, dass Straßen,
die mit Geokunststoffen gebaut sind, eine deutlich höhere
Lebensdauer aufweisen als herkömmlich asphaltierte.
Das Geheimnis liegt in einer deutlich gleichmäßigeren Verteilung
der Kräfte aus den Straßenverkehrsbeanspruchungen und einer
rissüberbrückenden Wirkung der Geokunststoffeinlagen.
Während die mattenartigen Einlagen direkt in den Schichtenverbund
der Asphaltdecke eingelegt werden, stabilisieren so genannte
Geozellen die Schottertragschicht. Das relativ neue Produkt besteht
aus 3-dimensionalen Zellen, die miteinander verbunden eine
zusammenhängende, sehr stabile Wabenstruktur bilden. Die im
Allgemeinen 10 bis 25 cm hohen Geozellen werden an ihrem Einsatzort
aufgespannt, mit Boden verfüllt und verdichtet. Die Reibung des
Bodens an den Seitenwänden, die Verzahnung der Bodenkörner und der
seitliche Widerstand der angrenzenden Zellen lassen den Boden
weniger leicht seitlich ausweichen und erhöhen die Tragfähigkeit
etwa um das Zweifache.
Als bundesweit anerkannte Experten auf dem Gebiet entwickelt die
Arbeitsgruppe um Professor Norbert Meyer die Richtlinien für die
Qualität und den Einsatz solcher Materialien beim Neubau oder der
Sanierung von Straßen.
Sie untersuchen an Teststraßen mögliche Anordnungen der
Geokunststoffe in unterschiedlichen Schichten des Straßenaufbaus.
Zudem interessiert die Wissenschaftler, wie sich die
Verkehrsbeanspruchung der Geokunststoffeinlagen auf die
Spannungsverteilung im Ober- und Unterbau der Straße auswirkt. Dazu
wurden 120 "handlichen" 80 Kilogramm Portionen eines kürzlich in
Langenhagen angelegten Testfeldes mit verschiedenen mattenartigen
Geokunststoffprodukten zur Untersuchung zur TU Clausthal gebracht.
Dr. Axel Nernheim, Ansgar Emersleben und Martin Tazl prüfen
detailliert in Laborversuchen die Haltbarkeit und das
Verbundverhalten der verschiedenen Materialkombinationen. Aus den
Ergebnissen wollen sie die Lebensdauer der Straße prognostizieren.
"Ein Teil der Ergebnisse könnte als Muster für neue Richtlinien des
Straßenbaus dienen", so Axel Nernheim.
Weitere Informationen:
- Kontakt:
Professor Dr.-Ing. Norbert Meyer TU Clausthal Institut für Geotechnik und
Markscheidewesen
Erzstraße 18
38678 Clausthal-Zellerfeld
Telefon: 05323 / 72-2295
E-Mail: norbert.meyer@tu-clausthal.de
Quelle:
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